Identifizierung und Zusammenfügung von Priechenbrüstungen in Varel

Schon seit vielen Jahren verdienstvoll hat sich der Kirchbauverein der Schlosskirche St.-Petri in Varel nicht nur um Erhaltung und Restaurierung der recht umfangreich überlieferten bemalten Bildtafeln ehemaliger Emporen-Brüstungen bemüht, sondern sich auch um ihre Rückkehr in den Bereich des Kircheninneren gekümmert. Darunter ist die künstlerisch bemerkenswerte Folge von sechs weiblichen Tugend-Allegorien, gefügt in zwei Dreier-Gruppen, die nunmehr wirkungsvoll im Turmuntergeschoss platziert sind. Inzwischen konnte bei den historischen Recherchen zu Leben und Wirken des Amtmannes Ido Simons aus Stollhamm, der noch zu Lebzeiten Ludwig Münstermanns die Hoheitsgewalt des Delmenhorster Grafen Anton II. und seiner Familie im Vareler Territorium vertrat, festgestellt werden, dass diese nunmehr wieder farbig leuchtenden Gemälde die Brüstung des Kirchstuhles schmückten, den Ido für sich und seine Frau Anna Wollfes 1656 im Nordquerhaus der Schlosskirche St.-Petri direkt gegenüber der Kanzel errichtet hatte. Nach alten Fotos vor seinem Abriß am Ende des 19. Jahrhunderts könnte man ihn sogar rekonstruieren, wenn er auch wegen der heute vorgezogenen Orgelempore am originalen Ort nicht wieder aufzubauen ist. Doch wissen wir nun, dass die beiden Wappentafeln nebeneinander die hintere Seitenfront bildeten, während die Psalmtafel in der Mitte der vordern Platz hatte; und so könnte eine Reihung der Felder in der ursprünglichen Folge vielleicht eine der voll belichteten Langhauswände zieren.

Schon ein Jahr zuvor waren sechs aus anderem Zusammenhang stammende Bildtafeln mit vielfigurigen Darstellungen als die Abfolge eines Weihnachtszyklus erkannt worden, die architektonisch und ornamental genauso gerahmt waren, wie die drei Bogenfelder mit Szenen aus dem weiteren Leben Jesu, die heute als Brüstung des ehemaligen Grafenstuhls im Landesmuseum Oldenburg ausgestellt werden , und denen unter den vorgestellten Säulenpostamenten die berühmten Maskenkonsolen Ludwig Münstermanns zugeordnet sind.

Der durchaus befähigte Maler ist unbekannt, er könnte in Hamburg ansässig gewesen sein oder auch aus der ostfriesisch-oldenburgischen Region stammen; vor allem aber sind seine Vorlagen identifiziert worden: Eine Serie von Kupferstichen, die der berühmte niederländische Maler Hendrick Goltzius (1558-1616) 1593/94 schuf und veröffentlichte. Münstermann und die Vareler waren also damals künstlerisch voll auf der Höhe der Zeit, und der Ehrgeiz des Kirchbauvereins von heute wurde geweckt, eine gänzliche Rekonstruktion der Brüstung in Angriff zu nehmen. Sie ist nunmehr schon eine längere Zeit fertig, die Finanzierugn geklärt, und wenn der zuständige Bauleiter bei der Oldenburger Kirchenleitung zustimmt, können die Vareler bald eine wiedergewonnene Bilderprieche direkt aus der Münsterman-Zeit in ihrer Schlosskirche bestaunen!

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