Schon im Jahre 2019 machte Annemarie Schrage, Mitglied der Ludwig-Münstermann-Gesellschaft, darauf aufmerksam, dass der für die Erforschung der Baugeschichte der Stadt Varel ungemein wichtige Wilhelm Janßen schon in seiner 1982 erschienenen Städtebaulichen Entwicklungsgeschichte von Varel verzeichnet hatte, dass die Südender Häuslingsstelle 129, heute Mühlenstraße 2, bekannt durch „Willy’s Fahrradladen“, 1618 von Ludwig Münstermann bewohnt wurde. Janßen wertete damit die unveröffentlichten, aber akribisch aus den wenigen historischen Quellen zusammengetragenen Erkenntnisse des verdienten Vareler Heimatforschers Hermann Ahrens aus. Sie sind in den eigenhändigen Typoskripten im Archiv des Vareler Heimatvereins überliefert und zugänglich. Von dieser Veröffentlichung nahm die Münstermnn-Forschung bisher keine Kenntnis. Der berühmte Bildhauer aus Hamburg, „Meister Ludwig“, wurde offenbar für seine großartige, ungewöhnlich kostbare und deshalb kostspielige neue Ausstattung der Schloßkirche-St.-Petri von seinem Auftraggeber, dem Grafen Anton II. von Delmenhorst, mit der Nutzung dieser Immobilie direkt aus dem unverkäuflichen Allodialgut des Grafenhauses entlohnt. Ludwig Münstermann konnte es als Dependance seiner Hamburger Werkstatt nutzen, um die in rascher Nachfolge erteilten Aufträge für Kanzeln, Altäre, Taufbecken und Epitaphien in Kirche der Grafschaft Oldenburg, und im Besonderen rund um den Jadebusen auszuführen.
Die weitere Geschichte der Eigentümer des Hauses, zu denen vor allem der Vareler Amtmann Ido Simons gehört, ist inzwischen recht gut erforscht; doch die Baugeschichte des Hauses selbst birgt noch einen bisher unbekannten und unerschlossenen Schatz: vor allem der Seitenflügel des Gebäudes wurde über einem etwa 15 Meter langen und etwa 6 Meter breiten stützenfrei gewölbten Keller errichtet, der nach sachkundiger Einschätzung „um/nach 1600“ zu datieren, und damit als ein ungemein wertvolles Baudenkmal zu bewerten ist.
Die Ludwig-Münstermann-Gesellschaft ist dem eingeladenen Sachverständigen für diese Beurteilung nach eingehender Besichtigung zu großem Dank verpflichtet und hat inzwischen auch einen Kostenanschlag für eine bauhistorische Dokumentation des Kellergewölbes durch einen renommierten, einschlägig erfahrenen Bauhistorikers eingeholt. Wenn die nötigen Kosten gedeckt werden, können die Arbeiten durchaus bald beginnen; denn der unterirdische Bau ist uneingeschränkt zugänglich. Mit großem Dank ist zu vermerken, dass der von uns informierte und deshalb auch sehr interessierte Hauseigentümer das Vorhaben voll unterstützt.
